Krankheiten EHEC-Erkrankung

Eine Infektion mit EHEC-Bakterien kann zu schweren Durchfällen führen. Ursache ist meist der Verzehr verunreinigter Lebensmittel oder ein enger Kontakt zu Tieren, die EHEC natürlicherweise im Darm tragen. Verläuft die Erkrankung schwer, sind Komplikationen wie ein akutes Nierenversagen möglich.

Auf einen Blick

  • EHEC steht für enterohämorrhagische Escherichia coli. Das sind Bakterien, die vor allem im Darm von Wiederkäuern wie Kühen und Schafen vorkommen.
  • Eine Ansteckung mit EHEC erfolgt meist über verunreinigte Lebensmittel oder Kontakt mit Tieren oder Gegenständen, an denen Kotspuren haften.
  • Beim Menschen können EHEC-Bakterien Durchfall und auch schwere Komplikationen verursachen.
  • Eine mögliche schwere Komplikation ist das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS). Es tritt insbesondere bei Kleinkindern auf. Dabei kann sich unter anderem die Nierenfunktion in kurzer Zeit verschlechtern.
  • Mit einer sorgfältigen Hand- und Küchenhygiene kann man Infektionen vorbeugen.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

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Was ist eine EHEC-Erkrankung?

EHEC ist die Abkürzung für enterohämorrhagische Escherichia coli. Das ist eine stark krankmachende Gruppe von Bakterien.

Manche Arten von Escherichia coli sind normale Bewohner des menschlichen Darms. EHEC-Bakterien hingegen leben natürlicherweise im Darm von Wiederkäuern wie Kühen, Schafen oder Rehen. EHEC-Bakterien sind in der Lage, Giftstoffe zu produzieren, die beim Menschen zu schweren Erkrankungen führen können.

EHEC-Infektionen können unbemerkt bleiben, aber auch mit schweren Durchfällen einhergehen. Eine mögliche, aber seltene Komplikation ist das hämolytisch-urämische Syndrom, auch HUS genannt. Dabei kommt es unter anderem zu akutem Nierenversagen. Ein HUS besteht meist nur kurzfristig und bildet sich später wieder zurück. Bei einem Teil der Erkrankungen sind Spätfolgen möglich.

Welche Beschwerden treten bei einer EHEC-Erkrankung auf?

Eine EHEC-Infektion kann überhaupt keine Beschwerden verursachen, aber auch sehr schwer verlaufen und zu Komplikationen führen.

In der Regel 2 bis 10 Tage nach der Ansteckung können die ersten Beschwerden auftreten. Die meisten Erkrankungen äußern sich durch wässrigen Durchfall mit Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und selten Fieber.

Erkrankung mit schwerem Verlauf

Bei 10 bis 20 von 100 Erkrankten wird aus dem wässrigen Durchfall ein blutiger Durchfall mit krampfartigen Bauchschmerzen und manchmal Fieber. Das betrifft vor allem Säuglinge, Kleinkinder, ältere Menschen und Personen mit einer Abwehrschwäche.

Erkrankung mit Komplikationen

Etwa 5 bis 10 von 100 Menschen mit Beschwerden entwickeln 5 bis 12 Tage nach den ersten Durchfällen ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS). Betroffen sind vor allem Kinder. Beim HUS kommt es zu einer Zerstörung von roten Blutkörperchen und einer raschen Verschlechterung der Nierenfunktion. Dadurch sammeln sich giftige Stoffwechselprodukte im Blut an. Außerdem werden die Blutplättchen zerstört, was zu einer Beeinträchtigung der Blutgerinnung führt.

Was verursacht eine EHEC-Erkrankung?

Auslöser der EHEC-Erkrankung ist eine Infektion mit enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC)-Bakterien. Das Wort „enterohämorrhagisch“ bedeutet sinngemäß, dass durch den stark entzündeten Dickdarm blutige Durchfälle auftreten.

Es handelt sich bei EHEC um eine Art von Bakterien, die bestimmte Giftstoffe produziert. Diese Giftstoffe werden Shiga- oder Vero-Toxine genannt.

EHEC-Bakterien besiedeln natürlicherweise den Darm von Wiederkäuern wie Kühen, Ziegen, Schafen oder Rehen. Diese Tiere scheiden die Bakterien mit dem Kot aus.

EHEC-Bakterien leben natürlicherweise im Darm von Wiederkäuern wie Kühen und Schafen.

Menschen stecken sich mit EHEC an, wenn sie mit dem Kot dieser Tiere in Berührung kommen und die Bakterien beispielsweise über die Hände in den Mund gelangen. 

Es sind auch indirekte Infektionen möglich, beispielsweise wenn man mit EHEC-Bakterien verunreinigte Gegenstände anfasst. Das kann auch beim Streicheln des Fells von Wiederkäuern passieren. Wiederkäuer erkranken nicht, wenn sie EHEC-Bakterien im Darm haben. Deshalb können auch gesunde Tiere ansteckend sein. 

Häufige Ansteckungsquellen sind außerdem verunreinigtes Wasser, zum Beispiel in einem Badesee, sowie der Verzehr oder die Verarbeitung von Rohmilch, Rohwurst oder nicht durchgegartem Fleisch. Über roh verzehrtes Blattgemüse wie Salat, Spinat oder Sprossen kann man sich ebenfalls anstecken. Wenige Bakterien reichen für eine Ansteckung aus.

Auch bei erkrankten Menschen kann man sich leicht infizieren, insbesondere wenn man im selben Haushalt lebt. EHEC-Bakterien sind sehr ansteckend und können über Tage bis Wochen mit dem Stuhl ausgeschieden werden, auch wenn die Symptome bereits abgeklungen sind. Bei Kindern dauert die Ausscheidung von EHEC-Bakterien in der Regel länger an als bei Erwachsenen. Auch bei fehlenden Beschwerden können die Erreger mehr als einen Monat lang mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Das Risiko einer Ansteckung nimmt aber mit der Zeit deutlich ab.

Wie häufig sind EHEC-Erkrankungen?

Infektionen mit EHEC-Bakterien treten überall auf der Welt auf. Die Anzahl der EHEC-Erkrankungen kann man nicht exakt bestimmen, da nicht bei allen Durchfallerkrankungen nach den auslösenden Erregern gesucht wird. Personen ohne Beschwerden werden ebenfalls nicht standardmäßig untersucht.

Im Jahr 2023 wurden in Deutschland 3.442 EHEC-Erkrankungen gemeldet. Kinder unter 5 Jahren – insbesondere Einjährige – waren am häufigsten betroffen. Es gab im Rahmen eines hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) 5 durch EHEC verursachte Todesfälle. Diese traten bei älteren Menschen auf.

Wie verläuft eine EHEC-Erkrankung?

EHEC-Erkrankungen können mild bis sehr schwer verlaufen. Aber selbst schwere, blutige Durchfälle während einer EHEC-Infektion können ohne Folgen ausheilen. Auch ein komplizierter Verlauf mit einem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) lässt sich in der Regel gut behandeln. Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass nach einem HUS Spätfolgen auftreten.

Selbst schwere EHEC-Erkrankungen können ohne Folgen ausheilen.

Komplizierter Verlauf mit HUS

Wenn sich die Giftstoffe, die die EHEC-Bakterien produzieren, über den Darm hinaus weiter im Körper ausbreiten, kann ein HUS entstehen. Die Giftstoffe greifen dabei vor allem die Wände kleiner Blutgefäße an, die sich überall im Körper befinden. Das HUS ist deshalb eine Erkrankung, die mehrere Organe gleichzeitig betreffen kann.

Typischerweise macht sich die Erkrankung als erstes und am stärksten an den Nieren und im Magen-Darm-Trakt bemerkbar. Aber auch das Gehirn und die Nerven, die Bauchspeicheldrüse sowie die Skelett- und Herzmuskulatur können betroffen sein.

Daraus entwickeln sich mitunter neurologische Probleme oder Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, wie ein Diabetes mellitus mit Insulinmangel. Die klassische Unterscheidung von Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes ist hier nicht möglich. 

Kinder, die ein hämolytisch-urämisches Syndrom überstanden haben, sind auch später noch anfälliger für Nierenerkrankungen. Durch die Nierenschädigung kann außerdem ein hoher Blutdruck entstehen. Nur selten kommt es vor, dass die Nieren durch ein HUS dauerhaft geschädigt werden. Dann sind die Kinder unter Umständen auf eine künstliche Blutreinigung – die Dialyse – angewiesen.

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Wie kann man einer EHEC-Erkrankung vorbeugen?

EHEC-Bakterien sind relativ stabil und können lange in der Umwelt überleben. Bereits eine kleine Menge an Bakterien genügt, um eine Erkrankung hervorzurufen. 

Um einer Ansteckung vorzubeugen, helfen folgende Hygieneregeln:

  • regelmäßiges Händewaschen mit Seife nach dem Toilettengang, vor dem Essen und vor dem Zubereiten von Speisen
  • gründliche Reinigung der Hände nach dem Kontakt mit Tieren in einem Streichelzoo oder auf einem Bauernhof: insbesondere bei Kleinkindern, bevor sie die Finger in den Mund nehmen oder etwas essen
  • auf eine gute Küchen- und Lebensmittelhygiene achten
  • wenn möglich, den engen Kontakt mit erkrankten Personen meiden. Das gilt vor allem für Geschwisterkinder.

Für Erkrankte und deren Kontaktpersonen gelten besondere Regeln:

  • Sie sollten, falls möglich, eine eigene Toilette benutzen. Gerade im Sanitärbereich ist Hygiene besonders wichtig.
  • Nach dem Windelwechseln bei erkrankten Kindern sollten die Hände gründlich gewaschen werden.
  • Betroffene und Personen aus dem gleichen Haushalt dürfen Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindertagesstätten oder Schulen nicht betreten. Behandelnde Ärztinnen oder Ärzte entscheiden, wann der Besuch oder die Tätigkeit in einer Gemeinschaftseinrichtung wieder möglich ist.
  • Personen, die Lebensmittel herstellen und verarbeiten oder in der Küche einer Gemeinschaftseinrichtung tätig sind, dürfen so lange nicht zur Arbeit gehen, wie sie die EHEC-Erreger im Stuhl ausscheiden.

Weitere Informationen, wie man sich vor EHEC-Infektionen schützen kann, finden Sie in den Verbrauchertipps des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Wie erkennt man eine EHEC-Erkrankung?

Grundsätzlich kann jede Durchfallerkrankung durch EHEC-Bakterien verursacht sein.

Es gibt aber einige Hinweise, die Ärztinnen und Ärzte dazu veranlassen, den Erreger genau zu bestimmen, zum Beispiel wenn:

  • Kinder unter 6 Jahren mit Durchfall im Krankenhaus behandelt werden müssen
  • der Durchfall blutig ist oder bei einer Darmspiegelung eine blutige Schleimhautentzündung festgestellt wurde
  • Durchfall bei Personen auftritt, die Lebensmittel verarbeiten oder in Küchen oder Kantinen arbeiten
  • ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) besteht
  • Personen Kontakt zu erkrankten Menschen mit HUS hatten
  • Kinder ein akutes Nierenversagen haben

Dann wird eine Stuhlprobe im Labor auf EHEC und die von ihnen produzierten Giftstoffe untersucht. Bei einem HUS sollte außerdem eine Blutprobe auf bestimmte Antikörper untersucht werden.

Wichtig zu wissen: Der Nachweis von EHEC-Bakterien bei einer aktuellen Durchfallerkrankung sowie ein vermutetes oder nachgewiesenes HUS müssen dem Gesundheitsamt gemeldet werden.

Wie wird eine EHEC-Erkrankung behandelt?

In der Regel beschränkt sich die Behandlung einer EHEC-Erkrankung darauf, lebenswichtige Körperfunktionen zu unterstützen. Am wichtigsten ist, ausreichend Flüssigkeit und Mineralstoffe zu sich zu nehmen. Ein frühzeitiger Flüssigkeitsersatz über die Vene kann Nierenschäden verringern. Für eine solche Infusionstherapie muss man ins Krankenhaus.

Bei Komplikationen wie dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) verabreichen Ärztinnen und Ärzte zunächst Medikamente, welche die Ausscheidung von Flüssigkeit über die Nieren anregen. Wenn die Nieren ihre Funktion bereits eingestellt haben, kann eine künstliche Blutreinigung (Dialyse) notwendig sein. Manchmal benötigen die Patientinnen und Patienten auch Bluttransfusionen, um rote Blutkörperchen, Blutplättchen oder Blutplasma zu ersetzen.

Wichtig zu wissen: Antibiotika kommen bei einer EHEC-Erkrankung in der Regel nicht zum Einsatz, da sie die Dauer der Bakterienausscheidung verlängern können. Es ist auch möglich, dass die Bakterien durch die Antibiotika noch mehr Giftstoffe produzieren. Somit erhöht sich auch das Risiko, ein HUS zu entwickeln.

Wo kann man sich noch über EHEC informieren?

Auf infektionsschutz.de finden Sie weitere Informationen rund um EHEC.

Geprüft durch das Nationale Konsiliarlaboratorium für Hämolytisch Urämisches Syndrom (HUS).

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